Du wolltest schon immer wissen, wie Berghain, KitKat und Co. von innen aussehen?

Berlins Club-Kultur ist weltbekannt. Seit jeher stürmen Nachtschwärmer auch aus den entlegensten Ecken des Globus in die deutsche Hauptstadt, um .... zu erleben. Allseits beliebt und berüchtigt: Das Berghain. Der Elekto-Bunker landet immer wieder in den oberen Plätzen, wenn es um die besten Clubs der Welt geht. In Berlin steht er ungeschlagen auf Platz Eins. Dennoch, auch wenn jeder hinein möchte, nicht jeder schafft es, an dem berühmtesten Türsteher der Welt vorbei zu kommen. Sven Marquardt, seines Zeichen nicht nur Türsteher, sondern mittlerweile auch Fotograf und Autor, entscheidet mit einem Nicken oder einem Kopfschütteln über das Ergebnis meist stundenlangen Wartens. Aber nicht nur die Türpolitik machen den Reiz des Berghains aus. Ebenso locken die legendären Parties, das erstklassige Line-Up und Geschichten über freie Liebe, SM-Spiele und ungeniertem Drogen-Konsum die meisten Feierwütigen in die "Church of Techno". Bekannt sind derartige Stories nur durch Erzählungen, denn Fotos sind in dem ehemaligen Heizkraftwerks strikt verboten. Und auch da kennen die Berghain-Betreiber keine Gnade. Wer beim Einlass mit einem Handy oder einer Kamera erwischt wird, muss die Geräte entweder abgeben, oder die Linsen werden mit einem Aufkleber verdeckt. Wird man dennoch beim Fotografieren zwischen Techno, Lack und Pillen erwischt, kann man sich sicher sein, einer wütenden Tanz-Meute gegenüber zu stehen und unsanft vom Personal nach draußen getragen zu werden. Sogar eine eigene Foto-Polizei rückt den Übertätern in den sozialen Netzwerken zu Leibe. Was im Berghain passiert, bleibt eben im Berghain.

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``Vom Feiern gezeichnet``: Hedo Berlin

Für viele Besucher und Stammgäste von Berghain, Insomnia und Co. ist diese Maxime allerdings eine der wichtigsten. Sie begeben sich an einen Ort, der ihnen Schutz und Sicherheit vor dem "wahren" Leben und ihrer alltäglichen Identität gibt. Sie flüchten vor dem Trott des Alltags und den gesellschaftlichen Konventionen, die es ihnen nicht erlauben, so zu sein, wie sein möchten. Sie tauschen Anzug und Krawatte gegen Lederriemen und Peitsche. Felix Scheinberger hat sich mit seinem Kunst-Projekt daher in eine äußert sensible Welt begeben, die nicht umsonst niemandem gestattet, bildhafte Erinnerungen hinaus zu tragen und erlebte dennoch nur Positives.

Aber wie fängt man die Bilder und die Stimmung eines Ortes ein, wenn man keinerlei Fotos machen darf? Der Illustrator fand geschickt eine Lücke inmitten des "No Photo"-Kosmos und bewaffnete sich mit seinem Skizzenbuch und Stiften. Inmitten der feierwütigen Nachtschwärmer saß der Künstler dort nun also: Unter anderem im Berghain, im KitKatClub und auch im Insomnia. Berliner Szene-Clubs, die vor allem für ihre hedonistische Kultur, öffentlichem Sex und hüllenlose Parties bekannt und deswegen derart beliebt in der Szene sind. Felix Scheinberger nahm aber nicht nur am Rande des Geschehens teil, häufig war er mittendrin und portraitierte die Club-Besucher aus nächster Nähe. Anfeindungen erlebte keine, allerdings ab und zu die Bitte, keine Gesichter abzubilden.

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Entstanden sind Illustrationen, die Menschen genau in den Momenten zeigen, in denen sie die Masken des Alltags ablegen und ganz sie selbst können. Bilder, die eine Welt zeigen, die nicht umsonst den Blicken der breiten Masse verschlossen bleiben. Und für uns am Ende verschwommene Eindrücke, die den Blick auf die Tag und Nächte in Berliner Szene-Clubs ein wenig schärfen.

Vier Jahre lang zog Felix Scheinberger für den Sammelband "Hedo Berlin" durch die Clubs der Hauptstadt. Anfangs hatte er nicht einmal das Ziel, das Treiben in den Szene-Diskos zu skizzieren, geschweige denn, ein Buch zu veröffentlichen. Da er allerdings immer sein Skizzenbuch bei sich trägt und er schnell erkannte, wie spannend das Thema für ihn ist, begann er mit der Arbeit und ließ sich von der Stimmung des Berliner Nachtlebens treiben. Bei einem Espresso mit seiner Verlegerin sei das Projekt dann beschlossen worden, wie er im Interview mit der Berliner Zeitung verriet. Mit "Hedo Berlin" ist er jetzt sogar auf der Midnight Mass in New York zu sehen.

geschrieben am 27.04.2017
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